Uomo e Donna – Ferro e Legno – Das Liebespaar
Für Barbara
- Uomo e Donna - ferro e legno
- Das Liebespaar 2004
Für Barbara
2005 hat die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina die Frage „Was ist es, das in uns schmerzt?“ als Akademische Frage an Wissenschaftler und Künstler gestellt. Sie wollte auch wissen, woran Rodins Denker wohl denken mag, woran er leidet. Meine Antwort war eindeutig. Es entstand meine allerkürzeste Publikation (BWV – Berliner Wissenschafts-Verlag).
Wir sind unterwegs inmitten der großen Geschichte, eingezwängt in unserer eigene. Manchmal fühlen wir uns wie in einem Räderwerk. „Wo bleibt die Zeit?“ war die Akademische Frage der Leopoldina 2005. Das Räderwerk zeigt zwölf Bronzestatuen, die durch ein Räderwerk bewegt werden: Kassandra, Ares, ein Opfer, Narcissus, ein Beter, ein Mädchen, Aphrodite, Philemon und Baucis, die Einsame, zwei Krieger. Jede Figur dreht sich in ihrer eigenen Geschwindigkeit: Zeit wiederholt sich nur teilweise (BWV).
Überall so zu sehen, in der U-Bahn, im Restaurant, in der Disko, auf jedem Meeting: Jeder steckt hinter seinem iPhone, in seiner eigenen Informationswolke, bestens vorbereitet und manipuliert durch geheime Algorithmen autoritärer Staaten oder skrupelloser Konzerne, jeder für sich, keiner redet mit dem Nachbarn. Befangene Gefangene in einem Teufelskreis. Der äußere Ring des Kugellagers lässt sich drehen, die Zentrifugalkraft wirft dann die Bronzeplastiken aus der Bahn.
„In Aleppo und Grosny hat er für Kiew geübt. Man hätte es wissen können.“ Wir verneigen uns vor dem Elend, das die Bewohner von Grosny, Aleppo, Mariupol, Kyjiw, Butscha, Odesa, Cherson, Charkiw, Mykolajiw und anderen Städten erleiden mussten und den armen russischen und ukrainischen Soldaten. Wir bewundern ihre Tapferkeit. Städte wurden zu Ruinen und Gräbern. Übrig blieben Witwen, Waisen und in Aleppo zwei einsame Sieger: Der ganz gewöhnliche Faschist und Wladimir Putin.
„In Aleppo und Grosny hat er für Kiew geübt. Man hätte es wissen können.“ Wir verneigen uns vor dem Elend, das die Bewohner von Grosny, Aleppo, Mariupol, Kyjiw, Butscha, Odesa, Cherson, Charkiw, Mykolajiw und anderen Städten erleiden mussten und den armen russischen und ukrainischen Soldaten. Wir bewundern ihre Tapferkeit. Städte wurden zu Ruinen und Gräbern. Übrig blieben Witwen, Waisen und in Aleppo zwei einsame Sieger: Der ganz gewöhnliche Faschist und Wladimir Putin.
Despoten, ihre Berater und willfährigen Helfer sind überall. Zu den drei mächtigsten gehörten Xi, Donald and Wladimir. Donald versprach, Amerika wieder groß zu machen, und hat doch nur als Abrissbirne die Demokratie der Unterwürfigen zerstört, Putin ist als Brandstifter unterwegs, und Xi? Bleibt der Kunst nur die Rolle des Hofnarren, der als Gaukler der Macht die lange Nase dreht?
Alle verschieden und doch gleich. Die leeren Gesichter ähneln sich. Sie fallen leicht um. Sie brauchen einander. Sie sehnen sich und wissen nicht, wonach. Sie stützen sich. Sie warten auf den Führer. Er ist ein Brandstifter. Trotzdem unterwerfen sie sich. Er verbreitet Angst. Eifersucht. Es sind viele.
Fast möchte man meinen, dass Geschichte sich wiederholt und die totgeglaubten Geister der Vergangenheit wiederauferstanden sind. Revolutionen drehen oft das Unterste nach oben, ohne dass den Menschen geholfen wird. In diesem mechanischen Kunstwerk aus dem Jahr 2011 sieht man übliche Faschisten, Putin, Lenin bei seinem Überfall auf Polen 1920, Mao, den Tankman auf dem Tian’anmen-Platz 1989, die Erschießung einer Geisel in Saigon, Guantanamo mit Waterboarding u.a.
Was immer in der Weltgeschichte an Grausamkeit, Barbarei, Unterdrückung, Zerstörung geschah, die Alten Weißen Männer, so heißt es heutzutage, waren an allem schuld. Ihre Denkmäler werden zerstört. Reste davon findet man überall. Ob das alles so stimmt? Ob die Anderen Heilige waren? Ob die neuen Kreuzritter Heilige sind? Auf die Botschaft des Sanften Rebellen, dessen Namen das Christliche Abendland trägt, haben nur wenige gehört. Die alten weißen Männer hätten dafür gesorgt. Frauen wie Magdalena soll es an der Seite des Sanften Rebellen nicht gegeben haben. Die Evangelisten schweigen darüber. Aber sie wissen es nicht. Eigentlich schade. Vielleicht wäre Geschichte im Christlichen Abendland anders verlaufen? Wer weiß?
Leyla, eine Muslima, trägt ein Kopftuch. Wie es sich gehört. Das Kopftuch löst sich. In aller Öffentlichkeit. Sie hat Angst. Der Streit um dieses Kleidungsstück trägt immer mehr wahnhafte Züge. Hinter jeder Paranoia steckt Angst. Woher kommt sie? Wer hat mehr Angst, Frauen oder Männer?
Medusa, so erzählt uns Ovid, war eine begehrenswerte, schöne, ja betörende Frau. Gewalt, Neid und Eifersucht der Götter verwandelten sie in ein Ungeheuer. Jeder, der das Haupt Medusas erblickte, erstarrte zu Stein. Perseus hat sie getötet, so büßte sie ein letztes Mal für die Verbrechen anderer. Das Medusenhaupt wurde zum steinernen Denkmal. Das Schlangennest ist jetzt leer. Die Schlangen aber leben weiter – woanders.
Susanna war die ehrbare und schöne Frau eines reichen Mannes. Zwei mächtige, alte Männer– in Leidenschaft entflammt – drohten ihr mit einer Anzeige vor Gericht wegen des Ehebruchs mit einem jungen Mann, sollte sie nicht mit ihnen schlafen. Susanne blieb standhaft.
Vier Frauen betrachten die Weltgeschichte in Ruhe. Sie reden miteinander. Die katholische trägt ein Kopftuch, die dickere ist Muslima, die schmale Protestantin, die vierte will sich nicht festlegen. Sie sichern – im friedlichen Gespräch vereint – die Balance mit einem jungen Pärchen, drei Schwestern, zwei raufenden Knaben, Beratern, zwei Kämpfern, einer Betenden und einem, der nachdenkt (Hommage á Camille Claudel – Les causeuses).
Das Liebespaar („Coppia di inamorrati“) lädt ein zum Träumen.
Dancing in the night – Walzer – Tanzendes Paar – Hochzeitstanz
Er will sie überzeugen, aber: La Donna e mobile – mal hört sie zu, mal hört sie weg.
Alle wollen auf Augenhöhe diskutieren, geht das?
La Belle et La Bête – zusammen.
Die Bronzefiguren tragen Masken, die Besucher und Besucherinnen der Ausstellungen (vorwiegend Kinder!) je nach Wunsch austauschen können.
Die Geister, die er rief, Lüge, Gewalt, Zerstörung, er wird sie nicht mehr los. Das Ende sind einsame Gräber.
Jedes Herrschaftssystem benötigt eine funktionierende Bürokratie: Je länger Menschen sinnlosen Tätigkeiten nachgehen, desto mehr verkümmern sie: Das Gesicht wird leer und ausdrucklos, die Schultern fallen herab, der Kopf sinkt nach unten. Zum Schluss gleichen sie alten, gebrauchten Stempeln: Sobald sie willenlose Büroleichen geworden sind, können sie beliebig eingesetzt werden, z.B. als Basis für den Aufstieg anderer Bürokraten.
Der Aufbau von Mauern in der Bürokratie verläuft schleichend, in vielen kleinen Schritten – mit Büroleichen; auch der Aufbau einer Hierarchie (s.a. das Video: Bureaucracy & Bureaucrats – You trust in bureaucrats? Have a look inside…).
Viktor Frankls Familie wurde ausgerottet, er selbst hat vier Konzentrationslager überstanden und konnte überleben, weil er seinem Leben auch in der größten Not einen Sinn gegeben hat.
Ein Blick aus der Vogelperspektive: Wir ziehen ratlos den Kopf ein und die Schultern hoch: Mutti hat gesagt, ihre Politik ist alternativlos. Das wird schon stimmen, da kann man nichts machen. Ein Kunstfreund: „Solche Leute kenn ich! Keiner weiß was. Keiner tut was. Alle reden.“
Der Wunsch vieler: „Ohne Angst verschieden sein können!“ (Th. W. Adorno).
Wichtig und geschäftig mit der Aktentasche unterm Arm, im allerersten Flugzeug zur Frankfurter Börse, abends wieder zurück: Moneymakers. Hedge-Fonds mit 25% Rendite. In der Bankenkrise aber systemrelevant, nicht persönlich haftend. Es sind die Ratlosen, die ihnen immer folgen, aber nicht geachtet werden: „The Muppets“ (2010, dazu ein Film mit dem Titel Moneymakers Cakewalk).
Wie funktioniert die Ausübung der Macht? Hier aus der Sicht des Mächtigen: Er muss wissen, an welchen Strippen er ziehen kann, um alle in seinem Sinne zu bewegen. Manchmal gibt es Abweichler. Dann hilft nur eins: Daumen drauf und die Leute mit Nonsens beschäftigen: The rope party or the particular charme of fighting for nothing.
Man hebt schneller ab, als man denkt.
Alabaster in vielen Variationen
Der Denker, Don Quijote, die nackte Maja und der Hölzerne Prinz
Stumm beobachtet er Analytiker, eine keusche Nymphe, tanzende Frauen, ein zorniges Mädchen…